Wie funktioniert Neurofeedback?

 

Das Training

 

Was wie ein Szenario aus einem Science-Fiction-Film klingt, macht das Neurofeedback möglich, nämlich ein Objekt wie etwa ein Flugzeug oder ein U-Boot, das langsam von links nach rechts über den Bildschirm gleitet, allein kraft der Gedanken nach oben oder unten zu bewegen. Diese Übung am Computer steht im Zentrum des SCP-Trainings (Training der langsamen  kortikalen Potenziale). 

Benötigt werden dafür ein Neurofeedbacksystem, bestehen aus einem speziellen PC einschließlich Trainingssoftware, Tastatur, Maus und zwei Bildschirmen, ein DC-EEG und Biosignal-Verstärker sowie mehrere Elektroden am Kopf, um das EEG abzuleiten und die Bewegung der Augen zu kontrollieren. 

Geeignet ist das Training für Kinder ab dem Grundschulalter (in Einzelfällen auch im Vorschulalter) sowie Jugendliche und Erwachsene jeden Alters. Für kleinere Kinder ist es meist noch zu schwierig, längere Zeit still zu sitzen. 

Wichtig für den Therapieerfolg ist auch, dass die Patienten ausgeschlafen und motiviert für das Training sind. Je aktiver auch die Eltern der betroffenen Kinder in die Therapie einbezogen werden, desto größer ist meist der Erfolg. 

 

Ziele und Wirkung

 

Ziel des Neurofeedbacks ist es, die Patienten zu befähigen, ihre eigene Hirnaktivität so zu beeinflussen, dass sie Reize gezielter verarbeiten und Aufgaben besser bewältigen können. Dies geschieht, indem sie lernen, ihre hirnelektrischen Signale bewusst zu negativieren bzw. positivieren..

 

Das Prinzip des Neurofeedbacks beruht dabei auf der positiven Verstärkung: Gelingt es den Patienten, ihre Gehirnaktivität in die richtige Richtung zu lenken, wird ihnen dies unmittelbar über den Monitor zurückgemeldet und dieser Erfolg entsprechend belohnt. So lernen die Trainierenden nach und nach, ihre Gehirnaktivität zu steuern und sich selbst zu regulieren. Langfristig wird dieses Verhalten automatisiert und auf Alltagssituationen übertragen. Es ist ein Gehirntraining.


Neurofeedback verbessert Aufmerksamkeit und Verhalten

 

Beispiel ADHS 

 

Bei Kindern, die an ADHS leiden, ist die Hirnaktivität charakteristisch verändert. Die Verhaltensabweichungen lassen sich im sogenannten Elektro-Enzephalogramm (EEG) sichtbar machen: "Kinder mit ADHS produzieren zu wenige Beta-Wellen und zu viele Theta-Wellen". Beta-Wellen entstehen vor allem dann, wenn sich ein Mensch bewusst konzentriert. Theta-Wellen kennzeichnen einen träumerischen Wachzustand.

Beim Neurofeedback lernen die Kinder, ihre Hirnaktivität und damit diese Wellen selbstständig zu beeinflussen. Im Computertraining steuern sie das Symbol (z.B. Flugzeug) auf dem Bildschirm nur dann nach unten, wenn das Kind vermehrt Beta-Wellen produziert, sich also bewusst konzentriert. Aufsteigen lassen kann es das Flugzeug, indem es seine Gedanken wieder treiben lässt. So lernen die Kinder, welche Gedanken ihnen beim Steuern helfen. Sie trainieren sich dann konzentrieren zu können, wenn es gefragt ist – ihr Verhalten also zu steuern. Es sind meist ganz individuelle Strategien, die sie zwar oft nicht in Worte fassen können, die aber funktionieren.

 

Wenn es klappt, wird das Kind mit einer Belohnung (Feedback), etwa einem aufleuchtenden Sternchen, bestätigt – und so nach und nach darauf trainiert, genau die Frequenzen zu erzeugen, die gerade gefragt sind. Mit der Zeit lernt der Patient dann, dieses Verhalten auch in anderen Situationen abzurufen. Es verringert nicht nur die Symptome, sondern setzt an der Ursache der Störung an. Betroffene lernen, ihre Hirnaktivität wahrzunehmen und selbst zu beeinflussen, dauerhaft.

 

 

Wie lange dauert die Therapie?

 

 

Das Training umfasst in der Regel 20 bis 30 Sitzungen, die in mehrere Blöcke aufgeteilt werden. Anfänglich sind pro Woche mindestens eins bis drei Sitzungen von je 40 bis 60 Minuten ratsam, später können ein bis zwei wöchentliche Trainingseinheiten ausreichen. Zwischen den einzelnen Blöcken sollte eine mehrwöchige Pause liegen, in der das Gelernte im Alltag trainiert werden kann. Und: Wie bei jedem Lernen ist Wiederholung wichtig, um einen dauerhaften Effekt zu erhalten. Das "Gelernte" muss also verinnerlicht werden, wie beim Vokabeln lernen.

 

In den ersten 10 Sitzungen lernt das Gehirn sich zu konzentrieren, zu entspannen oder wach zu werden. Oft sind Kinder mit Einschlafschwierigkeiten am Morgen ausgeruhter und finden leichter den Schlaf. Eine deutlich bessere Stimmung ist oft schon erreicht.

 

Ab der 11 bis 20 er Sitzung reagiert das Gehirn ausgeglichener auf Herausforderungen und Stress. Es dauert bis die neuen Verbindungen im Gehirn gefestigt werden, deshalb muss weiter trainiert werden. Nach 20 Sitzungen von regelmässigem Neurofeedbacktraining hat das Gehirn sich strukturell verbessert. Weitere Sitzungen verfestigt das Gelernte.

 

 


Neurofeedback verbessert Aufmerksamkeit und Verhalten